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Möwen (Larinae)
Foto: Toscana Dream

Möwen

Möwen sind mittelgroße bis große regenpfeiferartige Vögel. Mit weltweit 55 Arten besiedeln sie Küsten und Binnenland und sind ökologisch bedeutend.

Stephan Wäsche
Stephan Wäsche

Möwen (Larinae), bis ins Jahr 1901 auch als „Möven“ bezeichnet, sind mittelgroße bis große Vögel mit charakteristischen Merkmalen wie langen, spitzen Flügeln und kräftigen Schnäbeln. Sie gehören zur Ordnung der regenpfeiferartigen Vögel (Charadriiformes) und sind nahezu weltweit verbreitet. In den vielfältigen Ökosystemen, in denen sie vorkommen, spielen sie eine entscheidende Rolle. Ihre Anpassungsfähigkeit und ökologische Bedeutung machen sie zu einer faszinierenden Vogelgruppe, die sowohl das maritime als auch das Binnenland bereichert.

Merkmale der Möwen

Die Möwen, die zur Ordnung der regenpfeiferartigen Vögel (Charadriiformes) gehören, faszinieren durch ihre Anpassungsfähigkeit und ökologische Bedeutung. Als mittelgroße bis große Vögel zeichnen sie sich durch ihre eleganten Flugmanöver und ihr geselliges Verhalten aus. Ihre Verbreitung reicht von arktischen Regionen bis zu tropischen Küsten, wobei sie sowohl maritime als auch Binnenlebensräume besiedeln.

Aussehen

Möwen sind mittelgroße bis große Vögel mit charakteristischen, langen, spitzen Flügeln und kräftigen Schnäbeln. Der Oberschnabel ist leicht nach unten gekrümmt. Ihre Füße besitzen drei nach vorn gerichtete Zehen, die durch Schwimmhäute verbunden sind, sowie eine sehr kurze, nach hinten gerichtete oder fehlende vierte Zehe.

Ihr Gefieder ist überwiegend weiß-grau, oft mit schwarzen Markierungen an Kopf, Rücken und Flügeln. Männchen und Weibchen sehen sich äußerlich sehr ähnlich, wobei die Männchen in der Regel etwas größer sind. Je nach Art wiegen Möwen zwischen 120 Gramm und 1,8 Kilogramm. Ihre Flügelspannweite reicht von etwa 60 Zentimetern bei kleineren Arten wie der Zwergmöwe bis zu beeindruckenden 1,7 Metern bei großen Arten wie der Mantelmöwe. Jungvögel weisen häufig ein bräunliches Gefieder auf, das ihnen als Tarnung dient. Die vollständige Ausfärbung dauert bei größeren Arten bis zu vier Jahre, während kleinere Arten diesen Prozess innerhalb von zwei Jahren abschließen.

Stimme

Möwen sind bekannt für ihre lautstarken Rufe, die oft in Reihen ausgestoßen werden. Ihre Schreie dienen der Kommunikation innerhalb ihrer sozialen Gruppen, insbesondere während der Brutzeit und bei der Nahrungssuche.

Verbreitung und Lebensräume

Möwen sind nahezu weltweit verbreitet, mit einem Schwerpunkt in gemäßigten und kalten Klimazonen der Nord- und Südhalbkugel. Tropische Gebiete wie das Amazonas- und Kongobecken sowie Indien und Südostasien sind hingegen weitgehend frei von brütenden Möwenarten. Einige Arten aus nördlichen Regionen verbringen den Winter an wärmeren Küsten.

Die meisten Möwenarten leben an den Küsten, doch einige, wie die Lachmöwe (Chroicocephalus ridibundus), brüten auch im Binnenland, vorzugsweise an Seen oder großen Flüssen. Seltenere Arten, wie die Dreizehenmöwe (Rissa tridactyla), verbringen den Großteil ihres Lebens auf hoher See.

Möwen, Nahrungssuche
Möwen suchen Strände nach Nahrung ab und stehlen sogar Beute von anderen Vögeln. Foto: wirestock

Lebensweise

Flug- und Nahrungssuche

Möwen sind exzellente Segelflieger und nutzen Windströmungen geschickt aus, um Energie zu sparen. Sie suchen Strände nach Nahrung ab und stehlen gelegentlich Beute von anderen Vögeln. Beim Tauchen bleibt meist nur der Kopf unter Wasser, da sie nicht für tiefe Tauchgänge angepasst sind.

Ernährung

Als Allesfresser ernähren sich Möwen von einer Vielzahl von Nahrungsquellen, darunter lebende Beute, Abfälle und Aas. Tierische Nahrung wie Fische, Krebstiere und Weichtiere dominiert jedoch ihre Diät. Größere Arten, wie die Mantelmöwe (Larus marinus), sind opportunistische Jäger, die auch Nester plündern und kranke oder schwache Vögel erbeuten können. Kleinere Arten wie die Lachmöwe bevorzugen Insekten und Würmer.

Unverdauliche Nahrungsbestandteile wie Muschelschalen oder Fischgräten werden als Gewölle ausgespuckt, um Verletzungen im Verdauungstrakt zu vermeiden.

Flüssigkeitsaufnahme

Die Vögel können Meerwasser trinken und das überschüssige Salz über spezialisierte Drüsen ausscheiden. Arten in salzreichen Lebensräumen bevorzugen jedoch Süßwasserquellen, sofern diese verfügbar sind.

Fortpflanzung

Möwen sind Bodenbrüter, die oft in Kolonien nisten. Einige spezialisierte Arten bauen ihre Nester in Felsnischen. Die Weibchen legen zwei bis vier Eier, die von beiden Elternteilen bebrütet und aggressiv, auch gegen Menschen, verteidigt werden. Die Brutzeit beträgt drei bis fünf Wochen. Nach dem Schlüpfen bleiben die Küken meist im Nest (Nesthocker) bis sie flugfähig werden, obwohl sie von Anfang an laufen und schwimmen können. Je nach Art dauert dieser Prozess drei bis neun Wochen. Die Vögel können ein erstaunliches Alter von bis zu 30 Jahren erreichen.

Fortpflanzung bei Möwen
Möwen-Weibchen legen zwei bis vier Eier, die von beiden Elternteilen drei bis fünf Wochen bebrütet werden. Foto: wirestock

Systematik

Die Möwen umfassen etwa 55 Arten, die traditionell in sieben Gattungen eingeteilt wurden. Neuere genetische Untersuchungen (anhand mitochondrialer DNA) haben jedoch gezeigt, dass die herkömmliche Systematik nicht vollständig monophyletisch (einstämmig, von einer Urform abstammend) ist. Daher wurde die Unterfamilie in bis zu elf Gattungen aufgeteilt.

Gattung Chroicocephalus

  • Braunkopfmöwe (Chroicocephalus brunnicephalus)
  • Maorimöwe (Chroicocephalus bulleri)
  • Graukopfmöwe (Chroicocephalus cirrocephalus)
  • Hartlaubmöwe (Chroicocephalus hartlaubii)
  • Dünnschnabelmöwe (Chroicocephalus genei)
  • Patagonienmöwe (Chroicocephalus maculipennis)
  • Bonapartemöwe (Chroicocephalus philadelphia)
  • Lachmöwe (Chroicocephalus ridibundus)
  • Rotschnabelmöwe (Chroicocephalus scopulinus)
  • Andenmöwe (Chroicocephalus serranus)
  • Silberkopfmöwe (Chroicocephalus novaehollandiae)

Gattung Creagrus

  • Gabelschwanzmöwe (Creagrus furcatus)

Gattung Hydrocoloeus

  • Zwergmöwe (Hydrocoloeus minutus)

Gattung Ichthyaetus

  • Korallenmöwe (Ichthyaetus audouinii)
  • Hemprichmöwe (Ichthyaetus hemprichii)
  • Fischmöwe (Ichthyaetus ichthyaetus)
  • Weißaugenmöwe (Ichthyaetus leucophthalmus)
  • Schwarzkopfmöwe (Ichthyaetus melanocephalus)
  • Reliktmöwe (Ichthyaetus relictus)

Gattung Larus

  • Silbermöwe (Larus argentatus)
  • Armeniermöwe (Larus armenicus)
  • Olrogmöwe (Larus atlanticus)
  • Simeonsmöwe (Larus belcheri)
  • Steppenmöwe (Larus cachinnans)
  • Kaliforniermöwe (Larus californicus)
  • Sturmmöwe (Larus canus)
  • Japanmöwe (Larus crassirostris)
  • Ringschnabelmöwe (Larus delawarensis)
  • Dominikanermöwe (Larus dominicanus)
  • Heringsmöwe (Larus fuscus)
  • Beringmöwe (Larus glaucescens)
  • Polarmöwe (Larus glaucoides)
  • Heermannmöwe (Larus heermanni)
  • Eismöwe (Larus hyperboreus)
  • Gelbfußmöwe (Larus livens)
  • Mantelmöwe (Larus marinus)
  • Mittelmeermöwe (Larus michahellis)
  • Westmöwe (Larus occidentalis)
  • Dickschnabelmöwe (Larus pacificus)
  • Kamtschatkamöwe (Larus schistisagus)
  • Amerikanische Silbermöwe (Larus smithsonianus)
  • Ostsibirienmöwe (Larus vegae)

Gattung Leucophaeus

  • Aztekenmöwe (Leucophaeus atricilla)
  • Lavamöwe (Leucophaeus fuliginosus)
  • Graumöwe (Leucophaeus modestus)
  • Präriemöwe (Leucophaeus pipixcan)
  • Blutschnabelmöwe (Leucophaeus scoresbii)

Gattung Pagophila

  • Elfenbeinmöwe (Pagophila eburnea)

Gattung Rissa

  • Klippenmöwe (Rissa brevirostris)
  • Dreizehenmöwe (Rissa tridactyla)

Gattung Rhodostethia

  • Rosenmöwe (Rhodostethia rosea)

Gattung Saundersilarus

  • Saundersmöwe (Saundersilarus saundersi)

Gattung Xema

  • Schwalbenmöwe (Xema sabini)
Möwen in Ostfriesland
Möwen prägen das Bild Ostfrieslands wie hier am Strandbad von Norddeich. Foto: Stephan Wäsche

Möwen in Ostfriesland

Ostfriesland, mit seinen ausgedehnten Küsten, dem Wattenmeer und den Ostfriesischen Inseln, ist ein Paradies für Möwen. Hier sind vor allem die Lachmöwe, Silbermöwe und Heringsmöwe verbreitet. Die Region bietet durch ihre reichhaltigen Wattflächen und Fischbestände optimale Lebensbedingungen.

Bedeutung für das Ökosystem

Möwen spielen im UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer eine entscheidende Rolle. Sie halten das Ökosystem im Gleichgewicht, indem sie Aas und Abfälle beseitigen. Ihre Nahrungsgewohnheiten helfen, die Populationen von Krebstieren und Fischen zu regulieren. Zudem dienen die Vögel als Indikatorarten für die Gesundheit der marinen Umwelt.

Möwen und Tourismus

In Ostfriesland sind Möwen auch ein Symbol für das maritime Leben und ziehen Touristen an. Die Vögel können jedoch auch als „Lästlinge“ empfunden werden, da sie sich an touristischen Orten gerne von Abfällen ernähren oder Menschen angreifen um Essen zu „stehlen“. Es gibt mittlerweile Initiativen und Bußgelder (je nach Gemeinde zwischen 20 und 5.000 Euro), um die Fütterung der Vögel durch Menschen einzuschränken und das natürliche Verhalten der Tiere zu fördern.

Schutzmaßnahmen

Die Nationalparks und Naturschutzgebiete in Ostfriesland, wie der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, bieten Möwen geschützte Brutplätze. Maßnahmen wie die Minimierung von Störungen durch Touristen tragen dazu bei, die Populationen stabil zu halten.

Weblinks

Fazit

Möwen sind mehr als nur ein alltäglicher Anblick an Küsten und Binnengewässern. Sie verkörpern faszinierende Tiere mit vielschichtigen Verhaltensweisen und außergewöhnlicher Anpassungsfähigkeit. Besonders in Regionen wie Ostfriesland, wo sie tief in das maritime Leben eingebunden sind, wird ihre zentrale Rolle für Natur und Kultur deutlich. Ein fundiertes Verständnis ihrer Biologie und die konsequente Förderung von Schutzmaßnahmen sind unverzichtbar, um ihre Populationen nachhaltig zu sichern und den ökologischen Nutzen, den sie bringen, zu erhalten.

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